iRights berichtete kürzlich über mehrere Fotodienste, die von einer CC0-Lizenz auf eigene Lizenzmodelle wechseln. Die Fotodienste wollen so verhindern, dass Drittanbieter die Bilder massenhaft abgreifen und die Dienste nahezu identisch hochziehen („Copycats”). Wie steckt rechtlich dahinter?

Fotodienste im Netz – teils gemeinfrei

Auf den vielen Fotodiensten im Netz werden Bilder unter unterschiedlichen Lizenzen angeboten. Bei Diensten wie Flickr laden NutzerInnen selbst Bilder hoch und können mit der Wahl einer Creative Commons-Lizenz entscheiden, ob andere Personen die Fotos zum Beispiel frei auf ihrer Webseite einstellen dürfen – oder ob der urheberrechtliche Ausgangsfall „Alle Rechte vorbehalten“ gilt.

Daneben gibt es auch Dienste, bei denen eine Redaktion Fotos kuratiert und unter die Gemeinfreilizenz CC0 stellt. Einer dieser Dienste ist Unsplash. Diesem Dienst machen neuerdings offenbar unseriöse Drittanbieter zu schaffen: Die kopieren die gesamte Plattform, indem sie alle Fotos abgreifen und auf teils identisch aussehenden Plattformen einstellen (sogenannte „Copycats“). Das Problem aus der Sicht von Unsplash: Da die Fotos per CC0 als gemeinfrei freigegeben sind, verstößt selbst die komplette Übernahme des Fotokatalogs nicht gegen das Urheberrecht.

Dennoch will Unsplash dem etwas entgegensetzen: Dazu setzt der Dienst neuerdings einen eigenen Lizenztext ein. Darin bleibt es zwar dabei, dass man die Fotos frei verwenden darf. Nun gilt aber die Einschränkung, dass die Fotos nicht für den Betrieb eines konkurrierenden Dienstes zusammengestellt werden dürfen. Wie Unsplash selbst erklärt, wolle man von freien Lizenzen nicht abrücken, sondern allein dem Treiben der Copycats etwas entgegensetzen.

Wo liegt das (rechtliche) Problem?

Der Charme der CC-Lizenzen (hier von CC0) liegt nun gerade darin, dass sie die Lizenzwahl im Bereich der Gemeinfreiheit bzw. des Bereichs „Manche Rechte vorbehalten“ fast vereinheitlicht haben – was transparent und einfach ist. Hat man einmal begriffen, was die modular aufgebauten CC-Lizenzen erlauben, gilt das für die vielen Millionen Werke, die unter diesen Lizenzen im Netz zu finden sind.

Wenn nun Anbieter auf eigene Lizenzmodelle übergehen, verkompliziert sich letztlich wieder der Open Access-Bereich, der sich ja gerade durch Einfachheit und Allgemeingültigkeit auszeichnet.

Unerlaubte Nachahmung?

Allerdings ist das Ärgernis über die Copycats gut nachvollziehbar. Wie es bei iRights heißt, wäre möglicherweise das Wettbewerbsrecht eine Möglichkeit für derartige Plattformen, gegen das massenhafte Abgreifen der Fotos vorzugehen. In der Tat: Das Wettbewerbsrecht verbietet unlautere Nachahmungen. Unsplash könnte es einer Copycat unter Umständen untersagen, die Wertschätzung, die man sich mit dem Dienst mit jahrelanger Kuratierung aufgebaut hat, mit dem nachgebauten Dienst auszunutzen. Das wäre womöglich eine sinnvollere Stellschraube als eigene Lizenztexte.

Mit einer freien Lizenz ist nicht alles erlaubt

Was folgt daraus? Man muss verstehen, dass auch bei urheberrechtlicher Gemeinfreiheit nicht alles erlaubt ist. Unlauterer Wettbewerb wäre so ein Beispiel. Daher sollten die Copycats nicht von der Wahl freier Lizenzen abschrecken, weil man möglicherweise auf anderem Wege gegen sie vorgehen kann.

Mehr bei iRights.

RA Fabian Rack

Tags: