Spätestens mit der Diskussion um die in großen Teilen plagiierte Doktorarbeiten prominenter Personen hat der Themenkomplex um Wissenschaftsplagiate eine breite Öffentlichkeit erreicht. Der Beitrag fasst kurz die Voraussetzungen zusammen, unter denen ein Doktortitel aberkannt werden kann.

Die Erteilung akademischer Grade
Indem eine Hochschule den Doktorgrad verleiht, erlässt sie als Behörde einen begünstigenden Verwaltungsakt. Bei einer Dissertation gelten die Hochschulgesetze der Länder – in Baden-Württemberg § 38 Landeshochschulgesetz (LHG) – in Verbindung mit den Promotionsordnungen der jeweiligen Hochschulen.

Grundlegende Voraussetzung für eine Promotion der Nachweis einer Befähigung zu vertiefter und selbständiger wissenschaftlicher Arbeit.

Das Wissenschaftsplagiat
Wer eine Dissertation einreicht, ist nach dem Maßstab der guten wissenschaftlichen Praxis verpflichtet, alle von woanders übernommenen Gedanken auch als solche kenntlich zu machen. Es plagiiert, wer den Anschein eigenen Schaffens erweckt – tatsächlich aber fremde Gedankengänge darstellt. Unter einem Wissenschaftsplagiat ist also nicht nur das reine copy & paste von Textbausteinen zu verstehen.

Die Entziehung akademischer Grade
Der Entzug eines Doktortitels ist, wie schon seine Erteilung, Ausgang eines Verwaltungsverfahrens und unterliegt den strengen Voraussetzungen der Rücknahme eines Verwaltungsaktes nach § 48 VwVfG. Dabei wird untersucht: Erbrachte die betreffende Person mit ihrer eingereichten Promotion den Nachweis zur vertieften und selbständigen wissenschaftlichen Arbeit? Durfte die eingereichte Dissertation also als Promotion gewertet werden?

War das zum Zeitpunkt der Erteilung des Doktortitels nicht der Fall, kann die Hochschule ihn unter den zusätzlichen Voraussetzungen des § 48 Abs. 1 S. 2, Abs. 2 VwVfG entziehen. Zurückgenommen werden darf danach nicht, wenn der Betroffene ein schutzwürdiges Vertrauen genießt. Da bei einer wissenschaftlichen Unredlichkeit meist eine Täuschung der betroffenen Person vorliegt – und Plagiate sind hierfür ein ganz erhebliches Indiz –, wird der Vertrauensschutz in solchen Fällen versagt (§ 48 Abs. 2 S. 3 VwVfG).

Weitere Gründe
Neben Plagiaten sind weitere Tatbestände für die Entziehung akademischer Grade denkbar:

  • Manipulieren von Forschungsdaten und Vortäuschen von Ergebnissen für die Dissertation.
  • Manipulieren von Forschungsdaten und Vortäuschen von Ergebnissen nicht in der Dissertation selbst, sondern in nachfolgenden Arbeiten (begründet Unwürdigkeit nach § 36 Abs. 7 LHG) – u.a. BVerwG, Az. 6 C 9.12 bzw. BVerfG Az. 1 BvR 3353/13.

Der Tatbestand der Unwürdigkeit muss einen Wissenschaftsbezug aufweisen (BVerwG, Az. 6 C 9.12). Keine Unwürdigkeit liegt etwa vor bei einer „Enttäuschung traditioneller gesellschaftlicher Vorstellungen über den Doktorgrad als öffentliche Würde eigener Art, als herausgehobener Rang oder als ehrenvolle Kennzeichnung der Persönlichkeit seines Trägers“.

Vertiefend zu Plagiaten u.a.: Urteil des VG Freiburg vom 23.05.2012, Az. 1 K 58/12.

Fabian Rack/RA Prof. Clemens Pustejovsky

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